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BLV Fachforum: Sprachstandsdiagnostik in Kindertagesstätten am 07.03.2009
Neuerungen, Umsetzung und Konsequenzen Sprachstandsdiagnostik in Kindertageseinrichtungen – neue Entwicklungen in der Fachschule für Sozialpädagogik Über 80 interessierte Teilnehmer/Innen waren am 07.03.09 nach Stuttgart gekommen, um an dem Fachforum teilzunehmen, bei dem aktuelle Informationen sowohl über die neue Einschulungsuntersuchung mit Sprachstandsdiagnostik in den Kindertagesstätten als auch über aktuelle Veränderungen in der ErzieherInnenausbildung vermittelt wurden. Wegen der Erkrankung von Frau Dr. Barbara Unger vom Sozialministerium übernahm dankenswerterweise Frau Ministerialrätin Christa Engemann vom Kultusministerium die Frage- und Diskussionsrunden des Vormittags. Sie berichtete über die neue verbindliche Einschulungsuntersuchung nach §91 SchG. Die Sprachstandsfeststellung erfolgt mittels des Verfahrens HASE (Heidelberger Auditive Screening in der Einschulungsuntersuchung) während für die Sprachstandsdiagnose der standardisierte Befundbogen SETK 3-5 (Sprachentwicklungstest für drei- bis fünfjährige Kinder) zu Grunde gelegt wird. Mit diesen Untersuchungen soll der Förderbedarf bei Kindern schon mit vier Jahren festgestellt werden, um so frühzeitig gezielte Maßnahmen zu ermöglichen. Wegen des hohen Stellenwerts des Elternrechtes sowohl im Grundgesetz als auch in der Landesverfassung von Baden-Württemberg können die sich daraus ergebenden Fördermaßnahmen leider nicht verbindlich angeordnet werden. Für die Erzieherinnen und Erzieher in den Kindertagesstätten stehen damit weitere verantwortungsvolle Aufgaben an: sie sind beteiligt bei Fördermaßnahmen aufgrund der Basisförderung nach dem Orientierungsplan, bei der Antragstellung auf zusätzliche Fördermaßnahmen und der Kooperation mit anderen Partnern (z. B. Frühförderstellen). Frau Engemann wies darauf hin, dass in fünf Großveranstaltungen für Erzieher/innen die Form der Umsetzung der Sprachstandsdiagnostik vorgestellt werden soll (am 07. April und am 14. Mai 2009 in Stuttgart (Liederhalle), im September und November in Freiburg, Heidelberg und Ulm). Weitere Fortbildungen, an denen Erzieher/innen und Lehrer/innen von Fachschulen teilnehmen können sowie eine Handreichung sollen folgen. Vom Land wurden Gelder dafür bereitgestellt. Zur Durchführung dieser Maßnahmen waren mehrere Gesetzesänderungen notwendig. Ausführliche Informationen über die Hintergründe, die Änderungen und den zeitlichen Ablauf der neuen Einschulungsuntersuchung finden Interessierte in den Präsentationen von Frau Dr. Unger und Frau Engemann, die von unserer Homepage (siehe unten, am Ende dieses Berichts) heruntergeladen werden können. Am Nachmittag berichteten Frau Ministerialrätin Hildegard Rothenhäusler und Herr Diplompsychologe Mario Rosentreter über zukünftige Veränderungen in der Erzieherausbildung. Die gesetzlichen Vorgaben sehen vor, dass ab 2013 in Baden-Württemberg für 34 % der Kinder unter drei Jahren entsprechende Betreuungsplätze angeboten werden müssen. Dafür werden 2013 zusätzlich 7300 Fachkräfte benötigt! Das Kultusministerium hat die kommunalen Landesverbände, den Städtetag, die Träger, Arbeitsagenturen und die Schulen erneut auf diese gewaltige Herausforderung und die Notwendigkeit der Bereitstellung von Ausbildungsplätzen hingewiesen. Herr Rosentreter stellte die Entwürfe für die neuen Lehrpläne vor, die noch mit weiteren Gremien abgestimmt und evtl. überarbeitet werden. Zusätzliche Themen wie „Kinder unter drei Jahren“, „Gender Mainstream“, “schulreifes Kind“, „Kooperation zwischen Kindergarten und Grundschule“, „Nachhaltigkeit“, „Hochbegabung“, „Schutzauftrag bei Kindeswohlgefährdung“, „Kinder- und Jugendliteratur“, „Medienpädagogik“ usw. wurden eingearbeitet. Die Handlungsfeldbezeichnungen wurden für alle drei Jahre durchgängig formuliert. Die einzelnen Handlungsfelder sind neu geschnitten und von der Stundenzahl eher gleich gewichtet. Der neue Lehrplan für die Klassen Die Durchlässigkeit der Ausbildung zum Bachelorstudium „Frühkindliche Bildung“ wird dadurch gewährleistet, dass die Erzieherausbildung beim Studium an einigen Hochschulen mit bis zu 60 credit points ( 2 Semester) anerkannt wird. Mit weiteren Hochschulen werde derzeit über entsprechende Modalitäten gesprochen. In einem Modellversuch der Evangelischen Landeskirche Württemberg und der Pädagogischen Hochschule sowie der Evangelischen Hochschule Ludwigsburg können Erzieher/innen mit Fachhochschulreife bereits im Berufspraktikum mit dem Studium beginnen, das heißt: ein Tag Studium, vier Tage Praktikum. Mit den Trägern müssen entsprechende Einstellungsvereinbarungen unter Berücksichtigung der Ausbildungs- und Prüfungsordnung getroffen werden. Der Verband fordert die Ausweitung des Modellversuchs auf öffentliche Schulen und eine generelle Anrechnung von Leistungen der ErzieherInnenausbildung von mindestens 60 credits auf das Bacherlorstudium „Frühkindliche Bildung“. Der Fachbereichsvorsitzende Bernhard Arnold bedankte sich bei allen Referentinnen und Mitverantwortlichen für die Vorträge und die Beantwortung der zahlreichen Fragen. Sein Dank galt auch der Vorsitzenden des Referats HPSL, Sophia Guter, ohne deren umfangreiche organisatorische Vorbereitung das Fachforum so nicht möglich gewesen wäre und der Schulleitung sowie dem Hausmeister der Max-Eyth-Schule in Stuttgart, die uns den Tagungsraum zur Verfügung stellten. Margret Kern-Bechtold, Dorothee Michel-Steinmann, Ingrid Sies, Rita Weber Tagungsunterlagen zum Download Die neue Einschulungsuntersuchung (ESU)
Berufsoberschule Fachrichtung Soziales (BOS) in Bad Saulgau auf ErfolgskursWährend im ganzen Land über den richtigen Weg zum Abitur diskutiert wird, hat sich im oberschwäbischen Bad Saulgau (Kreis Sigmaringen) eine Schule mit Erfolg etabliert, die bislang einmalig in Baden-Württemberg ist. Hinter der Bezeichnung der „Berufsoberschule Fachrichtung Soziales“ verbirgt sich die Möglichkeit, die allgemeine oder fachgebundene Hochschulreife in zwei Jahren zu erlangen, wenn man oder frau bereits eine Berufsausbildung hat. Die Absolventen dieser Schulart, die bisher einzige ihrer Art in Baden-Württemberg, kommen vom Schwarzwald, vom Bodensee, oder aus dem Allgäu und sogar aus der Landeshauptstadt Stuttgart. Die Erzieherinnen, Krankenpfleger, Arzthelferinnen oder Heilerzieher nutzen die Möglichkeit, in nur zwei Jahren das Abitur in einer Vollzeitschule nachzuholen. Seit vergangenem September ist die Schule in Betrieb und schon jetzt ist abzusehen, dass es sich um ein Erfolgsmodell handelt. Voraussetzung für die Aufnahme in die neue Schulart ist ein mittlerer Bildungsabschluss, in Form eines Realschulabschlusses, einer Fachschulreife, des Versetzungszeugnisses in Klasse 11 eines Gymnasiums oder ein dem Realschulabschluss gleichwertiger Bildungsstand. Für die in diesem Zeugnis erreichten Noten gilt: In den Fächern Deutsch, Mathematik, Englisch und Biologie (Erziehungswissenschaft/Psychologie) darf keine Note schlechter als 4 sein. Der Notendurchschnitt in diesen Fächern muss mindestens 3,0 betragen. Sind noch Schulplätze frei können Bewerber/innen, die diesen Schnitt nicht nachweisen können, auch über eine Aufnahmeprüfung ihre Befähigung nachweisen. Darüber hinaus muss ein Abschluss einer mindestens zweijährigen Ausbildung in einem sozialen, pflegerischen oder erzieherischen Beruf nachgewiesen werden. Von dieser fachspezifischen Berufsausbildung kann in begründeten Einzelfällen abgewichen werden. Der Berufsausbildung gleichgestellt ist eine einschlägige, für den Besuch der Oberstufe der Berufsoberschule förderliche Berufserfahrung von mindestens fünf Jahren. (Anmeldeschluss ist jeweils der 1. März für das kommende Schuljahr.) Der Abschluss „allgemeine Hochschulreife“ (Vollabitur) eröffnet den Zugang an jede beliebige Universität, Hochschule oder Berufsakademie. Die Berufsoberschule Fachrichtung Soziales (BOS) komplettiert damit das Angebot des Landes zur Erreichung der Hochschulreife aufbauend auf einer Berufsausbildung. Bereits seit Jahren gibt es die Wirtschaftsoberschule für kaufmännische Berufsabsolventen und die Technische Oberschule für Absolventen gewerblicher Berufe. Im Kultusministerium wird bereits darüber nachgedacht, in jedem Regierungsbezirk Baden-Württembergs eine BOS einzurichten. Eine Lehrplankommission erarbeitet bereits die entsprechenden Vorgaben. Für die allgemeinbildenden Fächer wie Deutsch, Mathematik oder Geschichte kann man auf vorhandene Lehrpläne der Wirtschaftsoberschule bzw. Technischen Oberschule zurückgreifen. In Biologie und Gesundheitslehre orientiert man sich an den Lehrplänen der ernährungswissenschaftlichen Gymnasien (EG) und den Berufskollegs, für die zwei Wochenstunden Volks- und Betriebswirtschaftslehre liegen ebenfalls bereits umfassende Orientierungshilfen vor. Pädagogik, Psychologie und Projektarbeit vervollständigen den Stundenplan, der 30 Unterrichtsstunden in der Woche umfasst. Dazu kommt noch eine zweite Fremdsprache, die zur Erlangung der allgemeinen Hochschulreife erforderlich ist. Wer die Mittlere Reife schon mit Englisch und Französisch absolviert hat, ist davon befreit. In Bad Saulgau stehen entsprechende LehrerInnen mit langjähriger Oberstufenerfahrung zur Verfügung. Durch die Zusammenlegung der Kaufmännischen Schule mit der Hauswirtschaftlichen Schule zur Kaufmännischen und Sozialpflegerischen Schule gehören nun verschiedene Berufskollegs, das Wirtschaftsgymnasium, die Berufsoberschule, Berufsschulen und Berufsfachschulen zusammen und die Schulleiterin Cornelia Graf kann beim Fachwissen der KollegInnen aus dem Vollen schöpfen. Die 22-jährige Erzieherin Ramona Speck aus Leiperdingen (Kreis Tuttlingen) empfindet das Schulangebot als „tolle Sache“. Sie hängt zwar an ihrem Beruf, will aber auch weiterkommen. „Mit dem Gehalt, das du im Kindergarten bekommst, kannst du keine Familie ernähren“, sagt sie. Deshalb holt sie jetzt das Abitur nach und will hinterher studieren. Grundschullehrerin hat sich Julia Schaible aus Grüningen (Kreis Biberach) als Berufsziel vorgenommen. Sie war zwei Jahre Gruppenleiterin in einem Kindergarten und will auch in Zukunft auf jeden Fall „etwas mit Kindern machen“. Sie fordert aber auch ein anständiges Gehalt und die gesellschaftliche Anerkennung ein. Beides bekommt sie im Kindergarten nicht. Zu den Geisteswissenschaften zieht es Marianna Leichtle aus Allmendingen auf der Schwäbischen Alb hin. Auch für sie ist die neue Schule eine gute Möglichkeit, sich den Traum vom Studium zu erfüllen. „Klassen-Oma“ ist derzeit Anna-Lena Bläsi, die aus dem Südschwarzwald in den Landkreis Sigmaringen gezogen ist, um ihr Abitur zu schaffen. Die 28-jährige Heilerziehungspflegerin mit langjähriger Berufserfahrung möchte nach dem Abitur gerne Geo-Ökologie studieren. Dass Sport und Musik nicht im Lehrplan stehen, das bemängeln alle vier, aber andererseits sei die Schule „sowieso schon anstrengend wie die Sau“ und wirklich kein Schmalspurabitur. Sie müssten erst wieder lernen, wie man richtig lernt. Mit dem Schüler-BaföG sind große Sprünge nicht drin und ein Nebenjob ist nahezu unmöglich. Abends in die Disco zu gehen ist kaum denkbar, denn auch in der BOS gibt es Hausaufgaben zu erledigen, Projekte in Hausarbeit zu gestalten und natürlich muss auf Klassenarbeiten gelernt werden, denn nach kaum zwei Jahren steht die schriftliche und mündliche Abiturprüfung an. Für Anfragen: Kaufmännische und Sozialpflegerische Schule Bad Saulgau, Wuhrweg 36, 88348 Bad Saulgau, Tel: 07581-486103, Fax: 07581-486159 Informationen zur Schule: Pressebericht von Herrn Karlheinz Fahlbusch im Südkurier, bearbeitet und ergänzt von Engelbert Sittler, Lehrer für Pflegeberufe an der Berufsfachschule für Altenpflege und Raimund Frühbauer, Abteilungsleiter für die Berufsoberschule und das Wirtschaftsgymnasium an der Kaufmännischen und Sozialpflegerischen Schule Bad Saulgau. Sozialpädagogik Erzieherin/Erzieher, ein Beruf mit Perspektive Gesellschaftliche, wirtschaftliche, politische und soziale Veränderungen haben einen großen Einfluss auf die künftigen Arbeitsfelder der Erzieherinnen, der Erzieher. In die neuen Lehrpläne sollte deshalb integriert werden: Entwicklungspsychologie, ganzheitliche Förderung in allen Handlungsfeldern, Praxiserfahrung in entsprechenden Einrichtungen, besondere Erziehungs- und Bildungsaufgaben (im Hinblick auf Jugendarbeit), Konfliktmanagement und Hilfen zur Lebensbewältigung. Die gesellschaftspolitischen Rahmenbedingungen müssten allerdings verändert werden, um die notwendige pädagogische Arbeit sinnvoll gestalten zu können. Die Ausbildung zur Erzieherin, zum Erzieher muss demnach in allen europäischen Ländern anerkannt werden, so Herr Ring vom Hessischen Kultusministerium. Rita Weber Zusammenfassung des Vortrages bei der Didacta von Ausbildung und Weiterbildung im Bereich der Sozialpädagogik Im Dezember 2002 hat der baden-württembergische Ministerrat ein neues Konzept für die Ausbildung der Erzieherinnen und Erzieher beschlossen und als Schulversuch seit dem Schuljahr 2003/04 umgesetzt. Mit dem „Orientierungsplan für Bildung und Erziehung für die baden-württembergischen Kindergärten“ hat das Land ein Gesamtkonzept zur frühkindlichen Bildung vorgelegt. Danach bestimmen „die beiden Brückenpfeiler Bildung und Erziehung (...) im Kindergartenalltag das pädagogische Handeln der Fachkraft. Stärkung der Kinderperspektive, Entwicklungsangemessenheit sowie ganzheitliche Begleitung und Förderung sind Schlüsselbegriffe des baden-württembergischen Orientierungsplans.“ Erziehung auch aus dem Blickwinkel des Kindes, ein mehrperspektivisches Verständnis von Bildung und Erziehung, die Erziehungspartnerschaft von Fachkräften und Eltern sowie die pädagogische und strukturelle Qualitätsentwicklung sind einige Schwerpunkte dieses Konzeptes. Die Weiterentwicklung der Ausbildung an den Fachschulen für Sozialpädagogik soll die Veränderungen in den beruflichen Anforderungen berücksichtigen und zu einer weitergehenden Professionalisierung des Berufsbildes beitragen. Bernhard Arnold
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