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Wege zur Hochschulreife – Berufsschullehrerverband auf der didacta in Stuttgart„Es führen viele Wege zur Hochschulreife. Über 150 davon führen über berufliche Bildungsgänge“, sagte Waldemar Futter, der Vorsitzende des Berufsschullehrerverbandes in seiner Begrüßung zur BLV-Veranstaltung „Wege zur Hochschulreife“ bei der Bildungsmesse didacta 2008 in Stuttgart. Besonders herzlich begrüßte er Dr. Veronika Nölle, die als neue Referatsleiterin für Berufliche Gymnasien im Kultusministerium Zahlen und Fakten zum Thema präsentierte. 31% der Abiturienten in Baden-Württemberg kommen aus den beruflichen Gymnasien. Dabei erreichen die Absolventinnen und Absolventen mit der allgemeinen Hochschulreife bundesweit ein gutes Niveau, wie die TOSCA-Studie des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung 2004 bestätigt hat. Die Differenziertheit der Beruflichen Gymnasien zeigt sich in den unterschiedlichen Profilen: 22.500 Schülerinnen und Schüler besuchen das Wirtschaftsgymnasium an 73 Standorten, 13.800 Schülerinnen und Schüler das Technische Gymnasium an 67 Standorten. Das Ernährungswissenschaftliche Gymnasium gibt es an 34 Standorten mit 4.700 Schülerinnen und Schülern, das Biotechnologische Gymnasium an 25 Standorten mit 2.900 Schülerinnen und Schülern, das Agrarwissenschaftliche und Sozialpädagogische Gymnasium an jeweils sechs bzw. zwei Standorten mit je 600 bzw. 400 Schülerinnen und Schülern. Gemeinsam ist allen Beruflichen Gymnasien, dass die Fächer nicht unverbunden nebeneinander stehen, sondern sich auf das jeweilige Profil beziehen. Dies zeigt sich auch im Fremdsprachenunterricht: Wirtschaftsenglisch, Technisches Englisch, Englisch der Ernährungslehre, der Biotechnologie, der Agrarbiologie und der Sozialpädagogik gehören jeweils ebenso zum Pensum wie entsprechende Unterrichtseinheiten in Französisch, Spanisch, Italienisch oder Russisch. Die Zugänge in der Eingangsklasse des Beruflichen Gymnasiums liegen aus der Realschule bei 72%, aus der Berufsfachschule bei 8%, aus der 10. Klasse der Hauptschule bei 5% und aus dem Gymnasium bei 15%. Wenn 50% aller Hochschulzugangsberechtigungen in Baden-Württemberg über die beruflichen Schulen erworben werden, so geschieht dies nicht nur über die beruflichen Gymnasien. Die Berufsoberschulen (Wirtschaftsoberschulen, acht Standorte mit 700 Schülern, Technische Oberschule, neun Standorte mit 750 Schülern, Oberschule für Sozialwesen, 1 Standort als Schulversuch mit 25 Schülern) ermöglichen nach dem mittleren Bildungsabschluss und einer einschlägigen Berufsausbildung ebenfalls den Erwerb der fachgebundenen oder allgemeinen Hochschulreife. Zusätzlich führen zahlreiche Möglichkeiten über die Berufskollegs oder die Fachschulen zur Fachhochschulreife. Im Anschluss an Frau Dr. Nölles Vortrag stellte Erich Herrling aus dem Fachbereich Wirtschaft und Verwaltung die Besonderheiten des Wirtschaftsgymnasiums vor: 70% der Schüler und Schülerinnen, die das Abitur erfolgreich bestanden haben, kommen aus der Realschule, jeweils 15% aus den Hauptschulen und Berufsfachschulen sowie aus dem Gymnasium. An allen Wirtschaftsgymnasien gibt es das sechsstündige Profilfach Wirtschaft, das in der Abiturabrechnung doppelt gewertet wird. Durch die vierstündigen Wahlpflichtfächer „Finanzmanagement“, „Global Studies“ und „Wirtschaftsinformatik“ können die im Profilfach erworbenen Kenntnisse ergänzt und ausgebaut werden. Profilbezogene Datenverarbeitung und integrierte Unternehmenssoftware ergänzen zusätzlich das spezifische Unterrichtsangebot. Als Vertreter des Fachbereichs Hauswirtschaft, Pflege, Sozialpädagogik, Landwirtschaft präsentierte Bernhard Arnold die vielfältigen Möglichkeiten zur Hochschulreife in unterschiedlichen Profilen. Im Agrarwissenschaftlichen Gymnasium ist Agrarbiologie Profilfach, im Biotechnologischen Gymnasium ist es Biotechnologie, im Ernährungswissenschaftlichen Gymnasium Ernährungslehre mit Chemie, im Sozialpädagogischen Gymnasium Pädagogik und Psychologie. Die sechsstündigen Profilfächer werden je nach Richtung ergänzt durch Laborübungen sowie entsprechende Fächer im Pflicht- und Wahlbereich, so dass die Inhalte eine hervorragende Vorbereitung auf ein Studium oder eine entsprechende Berufsausbildung darstellen. Literarisch-künstlerische Fächer können auch hier zusätzlich gewählt werden. Aus dem Fachbereich Technik und Gewerbe berichtete Waldemar Futter über das Technische Gymnasium: Die Profile Technik, Gestaltungs- und Medientechnik, Informationstechnik sowie Technik und Management bieten Möglichkeiten zur Differenzierung und Spezialisierung. Alle Schülerinnen und Schüler am TG belegen mindestens 15 Wochenstunden im mathematisch-technischen-naturwissenschaftlichen Aufgabenfeld: Im Pflichtbereich des Kurssystems 6 Stunden Technik, 4 Stunden Mathematik und 5 Stunden Physik oder Chemie. Zusätzlich können Computertechnik und profilbezogene Seminarkurse belegt oder Technische Übungsarbeiten erstellt werden. Dieses Paket ersetzt aus gutem Grund die von den ingenieurwissenschaftlichen Lehrstühlen an Fachhochschulen und Universitäten geforderten Vorpraktika. Waldemar Futter dankte Frau Dr. Nölle für ihre Ausführungen. Für den Berufschullehrerverband betonte er die Innovationsfähigkeit der beruflichen Schulen, die von Anschlussfähigkeit, Modernität und Praxisbezug geprägt seien: Mit den unterschiedlichen Wegen zur Hochschulreife schöpfen sie Begabungsreserven aus. Sie bieten Möglichkeiten des sozialen Aufstiegs und der Integration. Sie verringern in besonderem Maße die Koppelung von sozialer Herkunft und Bildungserfolg. Sie leisten einen unersetzlichen Beitrag zur Verhinderung eines in Deutschland drohenden Akademikermangels und reagieren mit ihren berufsbezogenen Inhalten auf neue Anforderungen in Wirtschaft, Gesellschaft und Wissenschaft. Der BLV fordert deshalb die Weiterentwicklung der beruflichen Schulen in ihrer bewährten Struktur und setzt sich dafür ein, die Wege zur Hochschulreife über die Berufskollegs und die Beruflichen Gymnasien bedarfsgerecht auszubauen. Bernhard Arnold, Waldemar Futter, Erich Herrling Bilder von der Veranstaltung[14.02.2012] [06.03.2012] [06.03.2012]
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