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Referat: Allgemeine Bildung

Allgemein bildende Fächer im beruflichen Schulwesen

Das BLV-Referat „Allgemeine Bildung“ hat sich zur Aufgabe gemacht, die Rolle der allgemein bildenden Fächer im beruflichen Schulwesen stärker ins Blickfeld zu nehmen sowie deren Bedeutung herauszustellen. Es möchte aber auch die Interessen der Kolleginnen und Kollegen vertreten, die an beruflichen Schulen allgemein bildende Fächer unterrichten.

Wer sich mit der Bedeutung der allgemein bildenden Fächer im beruflichen Schulwesen befasst, wird je nach Fach und Schulart immer wieder vor Problemen der Abgrenzung stehen.

Eine genaue Trennung zwischen allgemeiner und beruflicher Bildung ist nicht immer möglich, weil berufliche Kompetenzen Schlüsselqualifikationen beinhalten, die sowohl berufsfachliche als auch allgemein bildende Fähigkeiten umschreiben (z.B. Methoden-, Personal-, Sozialkompetenz). Beispiele für Inhalte, welche die bisherige Trennungslinie der „klassischen“ beruflichen und allgemein bildenden Fächer überschreiten, lassen sich genug finden:

Lebenslauf und Bewerbergespräch, Geschäftsbriefe und Betriebliche Kommunikation im Fach Deutsch, profilbezogene Inhalte im Fach Englisch, Inhalte des Faches Global Studies am Beruflichen Gymnasien, um nur wenige zu nennen.

Ein weiterer Aspekt beruflicher und allgemeiner Bildung ist die Fähigkeit zur Selbstorganisation. Schülerinnen und Schüler müssen heute verstärkt in die Lage versetzt werden, Inhalte und Wissen selbstständig zu erschließen und neu zu organisieren, um aktiv an der Lebens- und Berufswelt der Zukunft teilhaben zu können. Was über den technologischen Wandel hinaus bleibt, ist die Fähigkeit, Wissen und Können jeweils unter veränderten Bedingungen anwenden zu können.

Berufstätigkeit in einer globalisierten Welt verlangt auch verstärkt Fähigkeiten und Kompetenzen, die bisher der „klassischen“ Allgemeinbildung zugesprochen wurden. Ein Mitarbeiter einer deutschen Firma im Ausland wird scheitern, wenn er nicht über notwendige interkulturelle Kompetenzen im Umgang mit seinen Kollegen vor Ort verfügt. Und wer sich nicht über Kunst, Literatur, Theater und Musik unterhalten kann, wird beim gesellschaftlichen „small talk“ Außenseiter bleiben.

Nicht zuletzt liegt der eigenständige Wert der allgemein bildenden Fächer auch darin, dass sie zur Persönlichkeitsbildung beitragen.

Im Referat „Allgemeine Bildung“ arbeiten mit:
Bernhard Arnold, Philipp Ahner, Heinrich Bek, Anni Combé-Walter, Marthamaria Drützler-Heilgeist, Dietrich Ehrhard, Erich Herrling, Henning Hurrling, Dr. Ulrike Kagerhuber, Walter Kastner, Jens Müller, Swantje Schulz, Achim Soulier, Frank Strittmatter, Siegfried Werner.

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Das Referat „Allgemeine Bildung“ des BLV wird in einer Artikelserie die allgemein bildenden Fächer vorstellen. Sie beginnt mit dem Fach Deutsch als dem unumstrittenen Leitfach.

 Das Fach Deutsch an beruflichen Schulen

Deutsch – wer denkt da nicht an seine eigene Schulzeit und hat Assoziationen wie „Rechtschreibung, Zeichensetzung, Grammatik und Literatur“?
Das stimmt zwar, und es stimmt auch für die Beruflichen Schulen. Aber Deutsch an Beruflichen Schulen ist weit mehr, als man – darunter auch viele Kollegen – sich das  gemeinhin vorstellt. Denn das Fach Deutsch wird nicht – wie an den allgemein bildenden Schulen – in einem einzigen Schultyp erteilt, sondern an vielen Schularten: Berufliches Gymnasium und Berufsvorbereitungsjahr, Berufsfachschulen und Berufskollegs, Berufsschulen und Berufseinstiegsjahr – jede dieser Schularten hat ihre eigenen Anforderungen, Voraussetzungen, Ziele und vor allem Lehrpläne und Prüfungsordnungen. Für fast jede dieser Schularten ist eine zentrale Abschlussprüfung vorgesehen, oft verbunden mit unterschiedlichen Pflichtlektüren, so dass sich viele Deutschlehrer Jahr für Jahr bis drei unterschiedliche Lektüren oder Themen vorbereiten müssen.

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Marthamaria Drützler-Heilgeist

Das Fach Mathematik an beruflichen Schulen

Mathematik – für viele ist das eine Erinnerung an Schulzeiten mit langen Rechnungen, komplizierten Formeln und ungeliebten Formvariablen. Mancher denkt sich dabei: Ist dies alles nötig?

 Doch Mathematik ist weit mehr. Sie ist in fast allen Schularten unverzichtbar. Jedoch hat sie in jeder Schulart eigene Anforderungen, Voraussetzungen und Ziele.

Ferner soll das Fach Mathematik die Basiskompetenzen sichern oder – wenn sie nicht vorhanden sind – aufbauen. In einigen Schularten vermittelt es – auch unter dem Namen Fachrechnen – fachspezifische Inhalte und Fähigkeiten. Dies gilt besonders für die Schularten: Berufsschule, Berufsvorbereitungsjahr (BVJ) und Berufseinstiegsjahr (BEJ) sowie in den Berufsfachschulen und im Berufskolleg. Dazu ist Mathematik aber auch ein allgemeinbildendes Fach, vor allem in Schularten, die Abschlüsse – wie Hauptschulabschluss, Fachschulreife, Fachhochschulreife oder Abitur. In der EPA für Mathematik steht am Anfang:

 „Im mathematisch-naturwissenschaftlich-technischen Aufgabenfeld sollen Verständnis für den Vorgang der Abstraktion, die Fähigkeit zu logischem Schließen, Sicherheit in einfachen Kalkülen, Einsicht in die Mathematisierung von Sachverhalten, in die Besonderheiten naturwissenschaftlicher Methoden, in die Entwicklung von Modellvorstellungen und deren Anwendung auf die belebte und unbelebte Natur und in die Funktion naturwissenschaftlicher Theorien vermittelt werden.“

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  Siegfried Werner

Das Fach Englisch an beruflichen Schulen

I do swear a lot, but the advantage is that having played abroad, I can choose a different language from the referee's. (Jürgen Klinsmann)

Jürgen Klinsmann, Weltreisender in Sachen Fußball, Kosmopolit und ausweislich des Zitats multikultureller Sprachexperte, spricht und versteht wohl neben Schwäbisch noch andere Weltsprachen.
Seine Aufenthalte in London (Tottenham Hotspur) und in Kalifornien (Huntington Beach) lassen vermuten, dass er auch mit einigen Feinheiten des britischen und amerikanischen Englisch vertraut ist.
Einen ausgewiesenen Sinn für Humor belegt die Wahl des Pseudonyms Jay Goppingen als Spieler bei den Orange County Blue Stars: Goppingen ist abgeleitet von seinem Geburtsort Göppingen, Jay lässt sich im Deutschen sowohl mit „Eichelhäher“ als auch mit „Trottel“ wiedergeben. Und wer in mehreren Sprachen schimpfen (to swearbedeutet auch „fluchen“) kann, vermeidet vielleicht die rote Karte, weil ihn der Schiedsrichter nicht versteht.

Jürgen Klinsmann, der eine Bäckerlehre absolvierte, ließe sich vielleicht als idealer Schüler einer beruflichen Schule vorstellen, der im Fach Englisch Kompetenzen erworben und vertieft hat, wie sie zum Beispiel Lehrplan für die Zweijährige Berufsfachschule formuliert werden: Die „Aneignung kommunikativer und interkultureller Kompetenzen“ wird darin als „eine wesentliche Voraussetzung erfolgreicher Kommunikation“ formuliert, „auf der sowohl die persönliche Weiterentwicklung als auch der berufliche Erfolg in immer stärkerem Maße basieren.“  Die „Fähigkeit zu selbstständigen Lernprozessen“ muss bei Klinsmann ebenfalls früh ausgeprägt worden sein, ist er doch nicht nur Weltklassespieler und Trainer, sondern auch ein erfolgreicher Geschäftsmann.

In den jeweiligen Lehrplänen  für das Fach Englisch in den verschiedenen Schularten vom Berufseinstiegsjahr bis zum Berufskolleg werden die Lehrplaneinheiten Kommunikative Kompetenz, Beherrschung der sprachlichen Mittel, Methodenkompetenz und kulturelle Kompetenz als grundlegend ausgewiesen.  
Gemeinsam ist allen Schularten die Betonung einer beruflichen Ausbildung und einer erweiterten oder vertieften allgemeinen Bildung. Das Fach Englisch steht in diesem Spannungsfeld.

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Bernhard Arnold

 Das Fach Spanisch am beruflichen Gymnasium

Spanisch: ein großer Schatz von ungeahntem Wert, der noch nicht vollständig entdeckt wurde !

 Im Jahr 2008, das von der UNO zum „Internationalen Jahr der Sprachen“ erklärt wurde, einen Bericht über Spanisch am beruflichen Gymnasium zu schreiben ist für mich eine schöne Herausforderung, wenn es um meine Muttersprache geht ! 

Ich habe nicht lange überlegen müssen, was alles dafür spricht, dass man das Fach Spanisch an den beruflichen Schulen öfter anbietet und mehr fördert: 
 - Spanisch ist offizielle Sprache in 21 Ländern mit zum Teil ähnlichen, zum Teil aber auch unterschiedlichen Kulturgütern !
 - Es wird weltweit von ca. 400 Millionen Menschen gesprochen ! ( ca. 100 Millionen Menschen sprechen weltweit Spanisch als zweite Sprache)!
 - Es ist Muttersprache von ca. 15 % der Menschen, die in den USA leben ! (Nach Einschätzung der UNESCO wird in den nächsten Jahrzehnten ein Viertel der Bevölkerung der USA spanischsprechend sein!)
 -  Es ist von herausragender Bedeutung bei der Entstehung und Entwicklung der Globalisierung, bei der Migration wie auch bei der Investition in wirtschaftliche Projekte!

Gerne könnte ich weitere Gründe dafür nennen, doch bin ich ziemlich schnell an die „Grenze“ gekommen, die zeigt, woran es liegt, dass man dieses Fach an den beruflichen Schulen entweder nicht anbietet oder nicht stärker fördern kann: dem Lehrermangel !
Als Philologin wie auch als Fachlehrerin (und, zugegeben, auch als Spanierin) habe ich mich mehrfach darüber geärgert und  bin schon öfter Opfer dieses Lehrermangels geworden, denn die Zahl der Schüler, die diese Sprache gerne lernen möchten, übersteigt bei Weitem die vorhandenen Möglichkeiten!

Da die Nachfrage oft größer ist als das Angebot, besteht die Tendenz zu „irgendwelchen“ Auswahlverfahren, die für Schüler wie auch für Lehrer extrem unangenehm werden, vor allem, wenn man die Bedeutung einer zu erlernenden  Fremdsprache wie Spanisch für die heutige Wirtschaft bedenkt!

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 María del Mar Cortés Pinilla

Kunst für unsere Schüler?

Bildende Kunst ist ein Raum des Rückzugs, der Entspannung und des Ausgleichs für die Herausforderungen des fachspezifischen Wissens und der allgemeinbildenden Fächer wie z.B. der Mathematik, der Fremdsprachen.
Entbehrlich im Kanon der Unterrichtsfächer?
Oder bedeutet er mehr?
Können wir sowohl in der individuellen Persönlichkeitsbildung als auch gesellschaftlich darauf verzichten?

Kunsterziehung ist die Chance Sehen und Gestalten zu lernen. Das heißt, Fähigkeiten zu entwickeln, um im entspannten Umgang Themen oder Probleme kreativ und spielerisch zu lösen. Aber auch die Aufnahmebereitschaft für das Innen und Außen zu erhöhen, wofür andere Fächer in größerem Maße kämpfen müssen!

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Swantje Schulz

Bildungsoffensive Musikunterricht - Ästhetische Bildung an beruflichen Schulen?

 „Die kulturelle Bildung in Deutschland, so bekannte unlängst der Bundestagspräsident Norbert Lammert, sei in einem »lausigen Zustand«. Für die Schulmusik gibt es Zahlen, die diesen Zustand deutlich machen: Bis zu 90% des Unterrichts an Grundschulen und 40% an den Gymnasien dieser Republik fallen aus oder werden fachfremd unterrichtet - kein anderes Schulfach, das mit derart problematischen Rahmenbedingungen zu kämpfen hätte.“

Viele kennen den Musikunterricht noch aus ihrer eigenen Schulzeit. Oft beherrschen die Erinnerungen an Werkanalyse, Tonsatz und Musikgeschichte die Vorstellungen über dieses Unterrichtsfach. In den letzten zehn Jahren hat sich daran viel geändert: An vielen Schulen steht auch der musikalische Kompetenzerwerb durch Bläser- oder Streicherklassen, Big Bands, Chöre oder andere Musizierformen im Vordergrund. Auch durch die Bildung von Fächerverbünden und Musikprofilen hat sich die musikalische Arbeit an den Schulen verändert. Zahlreiche Kooperationen zwischen Schulen, Musikschulen und Laienmusik bilden ein breites Netz musikalischer Kompetenz.

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Philipp Ahner

Ein leidiges Thema: fachfremder allgemein bildender Unterricht an den beruflichen Schulen. Ein Bericht aus der Vergangenheit.

Ein Jahr unterrichtete ich damals als Studienassessorin an einem allgemein bildenden Gymnasium in der Nähe von Stuttgart. Es gefiel mir dort nicht schlecht, aber aus persönlichen Gründen wollte ich in die Nähe meiner Heimatstadt Karlsruhe. Doch eher geht das Kamel durch ein Nadelöhr als ein Lehrer von Nordwürttemberg nach Nordbaden – es sei denn, so erfuhr ich, er ginge an eines der gerade im Aufbau befindlichen Technischen Gymnasien.

Also ging ich. Natürlich hatte mir niemand gesagt, dass ein Technisches Gymnasium, schon gar nicht, wenn es sich im Aufbau befindet, kein volles Deputat in den Klassen 11 und 12 bieten könnte und deshalb auch die Berufsschule zu unterrichten sein würde. Dies bedeutete einerseits, dass ich mich ad hoc in den Oberstufenstoff Geschichte/Gemeinschaftskunde und Deutsch einzuarbeiten hatte. Sehr anstrengend, aber immerhin nicht ganz fremd. Es bedeutete aber andererseits, an einer gewerblichen Berufsschule zu unterrichten (Berufsfachschulen, gewerbliche Berufskollegs, das alles kam erst später), und zwar sowohl Deutsch als auch Gemeinschaftskunde – als auch Wirtschaftskunde.

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Marthamaria Drützler-Heilgeist

 

Wirtschaftslehre = Allgemeinbildung?!

„Die Ideen der Ökonomen und Philosophen, seien sie richtig oder falsch, sind mächtiger, als man im Allgemeinen glaubt. Um die Wahrheit zu sagen, es gibt nichts anderes, das die Welt beherrscht.“ (John Maynard Keynes, Ökonom)

Dieses Zitat eines der bedeutendsten Ökonomen, dem Briten J.M. Keynes, dessen Ideen gerade heute in Zeiten von Rezession und Konjunkturprogrammen großen Einfluss auf gegenwärtige ökonomische und politische Theorien haben, zeigt die Bedeutung der Wirtschaft(slehre) auf.
Finanzkrise und Rezession, Einführung des Gesundheitsfonds, die zunehmende Überschuldung Jugendlicher, die steigende Anzahl privater Insolvenzen, Tarifauseinandersetzungen im öffentlichen Dienst ….. Diese kurze Auflistung zeigt schon, dass die Wirtschaft unser aller Leben beeinflusst. Täglich kommen wir mit der Wirtschaft in Berührung, sei es auch nur durch den Einkauf im Supermarkt oder durch ein Ausbildungs- bzw. Arbeitsverhältnis.

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Dr. Ulrike Kagerhuber

 

KIRCHE  IN  DER  SCHULE  ?

Anmerkungen zum Religionsunterricht in den beruflichen Schulen

Für manche Zeitgenossen ist der Religionsunterricht, insbesondere der Religionsunterricht an beruflichen Schulen, - immer noch - ein Reizthema: Aussagen wie „unnötig“, „überflüssig“, „Bevorzugung der Kirchen“, „Störung des Stundenplans“ und andere pauschale Schlagwörter dokumentieren dies. Es gibt ein breites Spektrum von Meinungen gegen den Religionsunterricht in der Schule, speziell auch in der Berufsschule, es gibt aber auch ein ebenso breites Spektrum von Argumenten für den Religionsunterricht an den beruflichen Schulen.

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Dieter Fuchs